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BildNatur
Michael Kroeger, Museum MARTa, Herford
In der heutigen Zeit hat die Distanz zur erlebten Natur bekanntlich unendlich zugenommen. Vor lauter bites und bits erkennt man heute kaum mehr, dass es ein Bildschirm ist, auf dem für uns die Welt erscheint. Gerade wegen – oder trotz – dieser Entwicklung sprechen Bilder immer noch zu uns. Möglicherweise gerade weil wir die Natur von Bildern und ihrer Wahrnehmung nicht im Detail erkennen.
Wenn man nicht gerade als Jäger, Biologe oder Wanderer unterwegs ist, wird man beispielsweise den Raum des Waldes nicht als Raum der Natur wahrnehmen. Heute erscheinen der Wald und die Gebirgs-Landschaft auch als mythische Orte, die an die Kindheit oder andere Vergangenheiten erinnern – und nur ganz am Rande als überdimensionale Rohstofflager, die trotz gut organisierter Pflege durch den Klimawandel akut bedroht sind. Doch wie auch immer: Der Wald ist vor allem auch ein mythischer Raum, und gerade weil er sozusagen ikonographisch vorbelastet ist, muss es für Künstler eine Herausforderung sein, den Wald als Erfahrungsraum und Wahrnehmungsanlass neu zu nutzen. Nebenbei bemerkt: In der 1992 von Martin Warnke verfassten Untersuchung „Politische Landschaft. Zur Kunstgeschichte der Natur“ sucht man den Wald als Topos und Naturraum vergeblich. Warnke untersuchte in seiner Arbeit vor allem die politischen und instrumentellen Verwertungen, denen Natur seit der frühen Neuzeit unterlag. Die autonomen ästhetischen Dimensionen der Natur waren für Warnke damals offensichtlich kein Thema – doch seit einigen Jahren haben Künstler diesen lange Zeit vergessenen Raum wieder für sich entdeckt. |
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Viele Haupt- und Nebenwege führen in die Natur – und das gilt sicher auch für die Bilder, die uns Achim Beier hier vorführt. Doch genau genommen ist es eben nicht die Natur an sich, sondern es ist die Form der Oberfläche, die uns an unsere Wahrnehmung von Natur erinnert, und das ist ein fundamentaler Unterschied zur live miterlebten Natur, von der der Künstler nach eigenem Bekunden ja auch ausgeht.
Nochmals etwas theoretischer formuliert: Kunst ist auch eine gekonnt ins Bild gesetzte Form distanzierter Nähe zu uns selbst. Immer machen wir uns Bilder, wenn wir Natur, und damit auch unserer inneren Natur, begegnen. Und immer begegnen wir unserer inneren Natur, wenn wir versuchen, Bilder in unseren Bildern zu formulieren.
Welche Bilder und welche Naturen verbergen sich nun in den hier ausgestellten Werken? Und – auch diese Frage sei gestattet – welcher Künstler verbirgt sich eigentlich in und hinter diesen Bildern? Auf diese Frage lässt sich natürlich nur mit Mutmaßungen reagieren. Ich zumindest vermute, dass es sich in diesem Fall um ein Temperament handelt, dass sein Leben und seine Kunst als fortwährende Entdeckung ansieht, bei der Erhellendes und Sprechendes genauso wie Dunkles und Geheimnisvolles existieren und genau dieses im Bild auch zum Ausdruck gebracht wird. Charakteristisch in Beiers Arbeiten ist eine bestimmte Art der Kontrastierung, eine Vorliebe zur Kombination detailliert ausgearbeiteter Mikrostrukturen und andererseits bewusst ausgesparter Leerflächen. In dieser Kombination von finito und nonfinito, von bestimmt und unbestimmt formuliert sich wohl ein Zweifel des Künstlers, der Natur eine endgültige Form zu geben. |
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